Aus für #SETI@Home nach 20 Jahren

Aus für SETI@Home nach 20 Jahren


WOW. Nach 20 Jahren ist nun Schluss. Nutzer auf der ganzen Welt hatten immer wieder ihre tausende Computer zu einem Supercomputer zusammengeschaltet. Entweder ganz oder in den Zeiten in denen am jeweiligen Computer nicht aktiv gearbeitet wurde, stellten SETI Anhänger freie Kapazitäten Ihrer Rechner zur Verfügung.

Damals sammelte man so viele Daten, dass diese vom eigenen Rechner der SETI Organisation nicht in absehbarer Zeit hätten ausgewertet werden können. Am 26. Juni 2004 wurde es auf eine neue Plattform gehoben. Die alte Plattform lief aber bereits seit 17. Mai 1999. Sie ermöglichte es die Auswertungen in Form von Rechenoperationen als Aufgaben an alle dem Projekt angeschlossenen Computer weltweit zu verteilen.

Auch ich habe von Beginn an immer wieder erhebliche Rechnerkapazitäten für das Projekt zur Verfügung gestellt. Damals liefen in meinem kleinen Rechenzentrum gleich drei IBM Server rund um die Uhr für SETI. Dann gab es auch bei mir eine Unterbrechung und zuletzt lief ein kleiner Raspberry Pi Cluster für SETI aus dem sich obiges Zertifikat ergeben hat. Leider habe ich von damals keine Zertifikate mehr aufgehoben. Diese würden ein vielfaches mehr an Rechenoperationen ausweisen. 

Jetzt nach 20 Jahren hat SETI@home beschlossen das Projekt in den Ruhezustand zu schicken. So lautet die Pressemitteilung: "Am 31. März wird der freiwillige Computerteil von SETI@home die Verteilung der Arbeit einstellen und in den Ruhezustand wechseln."

Als Gründe dafür nennt die Universität von Kalifornien, dass wissenschaftlich gesehen, man nun grundsätzlich alle Daten analysiert habe, die benötigt würden.

SETI steht für "Suche nach Außerirdischer Intelligenz" und begründet sich letztlich auf dem WOW Signal. Einem Schmalband-Radiosignal, das der Astrophysiker Jerry R. Ehman im Rahmen eines Projekts mit Hilfe eines Radioteleskopes am 15. August 1977 aufgezeichnet hatte. Das aus der Richtung des Sternbildes Schütze kommende Signal war so untypisch, dass es bis heute die Astronomen aller Welt in seinen Bann zieht und auch zum Film "Contact" führte. Die Herkunft des Signals ist bis heute unklar, doch es hat die Fantasie der Menschen in einer Weise angeregt, wie noch nie zuvor. Damit fest verbunden auch der Name Jill Tarter.

Im Gegensatz zu anderen SETI-Projekten war bzw. ist SETI@home die preisgünstige Alternative, eben weil das Projekt die Ressourcen nutzt die dem Projekt unentgeltlich und freiwillig auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt werden. Während sich andere SETI-Projekte darauf fokussieren bestimmte vermeintliche vielversprechende Abschnitte des Himmels gezielt abzusuchen, hat stattdessen SETI@Home das Radioteleskop auf Puerto Rico vom weltberühmten Arecibo-Observatorium genutzt und quasi immer im Huckepack zu anderen Untersuchungen auch für SETI über den gesamten Himmel mitgelauscht. Auf diese Weise ergaben sich eine schier gigantische Menge von an Radiodaten.

SETI@home hat beiläufig auch Computer Geschichte geschrieben. Und bewiesen, dass das sogenannte verteilte Rechnen mit normalen PCs auf der ganzen Welt nicht nur möglich, sondern auch extrem erfolgreich ist. Die angeschlossenen Rechner haben zusammen rund 2,3 Millionen Jahre Rechenzeit auf 20 Jahre verkürzt. 1,84 Milliarden Resultate mit über 5 Millionen Benutzern erbracht und an die Universität zurückgesendet. Kaum ein anderes Projekt hat über alle Grenzen der Welt hinaus eine solche Gesamt-Menschheitliche Zusammenarbeit erzielt. Es geht also!

Abschließen bedankt sich die Universität für die Treue und die Unterstützung seiner Nutzer und begründet ferner, dass man mit den weiteren Auswertungen viel Arbeit vor sich habe und lässt durchblicken, dass man nun mit der weiteren Verwaltung der Seti@Home Systeme an Grenzen gestoßen sei. man wolle aber die Website und die Message Boards weiterhin betreiben und hoffe, dass andere Berkeley-Astronomen die enormen Rechenkapazitäten für Ihre Forschung nutzen können. Das ermöglicht die BOINC Softwarelösung durch Auswahl anderer Projekte.

Fazit:
Was da nun nach zwanzig Jahren so lässig abgesagt wird ist ein Stück Computer Weltgeschichte und auch ein Stück meiner ganz eigenen Lebensgeschichte. SEIT@Home hat wie auch SETI insgesamt nicht nur einen wichtigen Platz in meinem Leben gefunden, sondern ist mit Sicherheit auch eines der wichtigsten Projekte der Menschheit. Kein Projekt, welches uns jetzt und sofort einen wirtschaftlichen Nutzen bietet, aber eine "Luxus" den wir uns nach meiner Einschätzung leisten sollten, ja müssen.

also geht das alles mit Wehmütigkeit einher und wieder ist etwas beendet, dass jemand wie ich von Beginn an begleitet und verfolgt und ja auch aktiv unterstützt hat. Zwanzig Jahre lang. Bei dem Gedanken fühlt man sich gleich fürchterlich alt. 

Klar ist aber auch, dass es heute Supercomputer gibt, wie Googles Super-KI, welche beispielsweise auch die NASA in der Weltraumforschung unterstützt. Diese verfügt über eine noch viel größere Rechenleistung. Und auch aus Gründen der Sicherheit ist es heute nicht mehr so trivial, wie an US Universitäten vor 20 Jahren. Das ist nun auch mal klar.

Bleibt mir nur zu sagen:"Ich war dabei und es hat Spaß gemacht sich als ein Teil einer ganz großen wissenschaftlichen Sache sehen zu können." 

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